Jan 2019: Neues aus Nicaragua

Trotz der Unruhen in Nicaragua wird die Arbeit im Physiotherapiezentrum für behinderte Kinder auf der Insel Ometepe ungestört fortgesetzt.

Bericht von Marisol Silva-Platzer

Das Gehalt der Physiotherapeutinnen Xotchilt, Hilda und Luz Marina wird aus future4children – Mitteln bezahlt. Auch eine psychotherapeutische Betreuung ist durch zwei Psychologinnen gegeben.

Das Programm beinhaltet finanzielle Unterstützung zum Kauf von Medikamenten, spezialisierten Produkten (orthopädische Schuhe, Rollstühle, etc.) sowie therapeutischen Korrekturmaßnahmen, spezielle Nahrungsmittel und Unterstützung für den Transport von behandelten Kindern und den begleitenden Erwachsenen ins Therapiezentrum CET. In regelmäßigen Abständen reisen einige der behandelten Kinder aus dem CET nach Managua, um sich mit Neurologen zu beraten und spezielle Untersuchungen durchzuführen.

Folgende Aktivitäten und Behandlungen werden durchgeführt:

  • Im Durchschnitt bekommen 67 Kinder pro Monat spezielle physio- bzw. psychotherapeutische Behandlungen.
  • Kleinkinder, die in extremer Armut leben, erhalten Lebensmittelpakete mit Pre-Milch bzw. Folgemilch.
  • Kinder erhalten Unterstützung bei den Transportkosten zum Besuch von Fachärzten in der Hauptstadt Managua.
  • Im 3. Quartal 2018 wurden insgesamt 7,334 Allgemeinbehandlungen, 191 Psychotherapien und 132 Einzelbehandlungen durchgeführt. Es gibt Haus-Besuche für Kinder mit motorischen Problemen.

Die häufigsten Krankheitsbilder bei den behandelten Kindern waren:

  • Patienten mit infantiler Zerebralparese; d.h. eine allgemeine oder zerebrale Bewegungsstörung, deren Ursache meist in einer frühkindlichen Hirnschädigung liegt.
  • Bewegungsstörungen, die durch eine fehlerhafte Steuerung im ZNS (zentrales Nervensystem) entstehen.
  • Patienten mit Lumbago (Hexenschuss); auch lokales Lumbalsyndrom oder Ischias-Syndrom.
  • Probleme im HNO- Bereich; Konzentrations- und Lernstörungen bei Kindern; in der Geburtsvorbereitung; Lösen von Geburtstraumen.
  • Motorische, kognitive, sensorische, sprachliche Störungen sowie Verhaltensstörungen oder Verzögerungen in der Entwicklung.
  • Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
  • Autismus
  • Cervicalgia (Schmerzen an der Halswirbelsäule)
  • Skoliose (Verkrümmung bzw. Verdrehung der Wirbelsäule). Regelmäßige Übungen auf der Matratze, um die Rückenmuskulatur durch spezielle Trainings-Methoden zu verbessern

 

Persönliche Eindrücke meiner Reise nach  Nicaragua

Im Juni 2018 bin ich nach Nicaragua geflogen. Ich musste eine Woche in der Hauptstadt Managua bleiben, da ein Teil meiner meine Familie mitten in Konfliktzone nahe der Universität UPOLI eingeschlossen war. Ich musste mich um meine 83 jährige Mutter kümmern, die seit dem Aufbruch der Konflikte im April 2018 sehr unter der Situation leidet.

In Stadtviertel waren 5 Barrikaden in den Straßen errichtet worden. Ich sah ausgebrannte Busse und die verkohlten Ruinen eines Hauses, wo eine 6-köpfige Familie, darunter 2 Kleinkinder, am Tag meiner Ankunft, dem 16. Juni, wegen Brandstiftung von Paramilitärs getötet wurde. An vielen Orten war erkennbar mit welchen Grausamkeiten die Polizei und paramilitärische Gruppen gegen die Bevölkerung vorgegangen war und wie die Regierung es solcherart geschafft hat die Gesellschaft in zwei Fronten zu spalten.

Ich konnte während dieser Woche nicht auf die Insel Ometepe gelangen, da es entlang der Hauptstraßenverbindungen des Landes, nach Managua, Masaya, Nandaime und Rivas, Barrikaden gab und  auch die Fähre nach Ometepe unrägelmässig gearbeitet hat. So entschied ich mich mit meiner Mutter nach Costa Rica zu fliegen, wo eine  meiner Schwestern seit vielen Jahren mit ihrer Familie lebt.

Zu diesem Zeitpunkt hätten die österreichischen Praktikantinnen der IMC- Physiotherapieausbildung in Nicaragua eintreffen sollen. Die Reise wurde allerdings storniert, da ich ihnen zum gegenwärtigen Zeitpunkt von dieser Reise abgeraten hatte. Das war sicherlich die richtige Entscheidung.

Ende Juni 2018, als ich in Costa Rica war,  hat die Regierung die „Operación Limpieza“ angeordnet (Räumung aller Barrikaden mir Gewalt). Dadurch stieg die Zahl der Toten von 60 auf 300. Zahlreiche junge Leute wurden gefangen genommen und gefoltert.

Auf der Insel Ometepe gab es auch ein paar Auseinandersetzung beider Fronten, der „Linken“ und der „Rechten“. Aber bis heute glücklicherweise ohne Todesfall, da die Kirche als Konfliktmediator rasch und erfolgreich eingeschritten ist. Grund der Unruhen auf Ometepe war hauptsächlich der umstrittene Interozeanische Kanal, bzw. die damit verbundenen, laufenden Enteignungsverfahren der Regierung.