Okt. 2015: Reisebericht Rumänien

Am Freitag, 23.10.2015, machen wir (Klaus und Daniela Grulich) uns um 5:30 Uhr auf den Weg nach Rumänien. Neben unseren zwei eigenen Kindern (Nina und Felix) sind diesmal auch 2 Gastkinder, Camila aus Argentinien und Tatsuya aus Japan, mit dabei. Unser Caddy Maxi samt Anhänger ist vollgepackt mit liebevoll gesammelten Schätzen unserer treuen Spender sowie ausrangiertem Ordinationsbedarf und Medikamenten aus mehreren Arztpraxen.  Extra besorgt wurden vor der Abreise noch zwei dringend benötigte warme Decken und Süßigkeiten für die Kleinen. Nach etwa acht Stunden werden wir von Nora Pogan, der guten Seele vor Ort, wie immer äußerst herzlich empfangen. Die vielen Kartons werden in ihrem Haus deponiert, von wo aus in den nächsten Tagen für die ordnungsgemäße und sinnvolle Verteilung der Spenden gesorgt wird.

filip_2015Nach einer köstlichen Jause machen wir uns zuerst auf den Weg zur Familie Filip, die entlegen in einem Flusstal wohnt. Wie uns Nora berichtet, kümmert sich hier trotz gesundheitlicher Probleme vor allem die Oma um die Großfamilie, zu der die 2 Töchter mit Partnern und insgesamt 5 Kleinkinder, sowie Schwiegersöhne und Ehemann zählen.  Die Jungmänner haben glücklicherweise eine Arbeitsstelle, der Rest der Familie ist zu Hause und bemüht sich redlich, mit viel Selbstversorgung (Hühner, Gemüse und Obst) und mit dem spärlichen Einkommen über die Runden zu kommen.

 

oprisa_2015Wir überreichen die mitgebrachten Obst/Süssisackerl und ziehen weiter zu den Oprisas. Nachdem die Mutter der vier Kinder die Familie schon vor längerer Zeit verlassen hat und auch kein Vater da ist, kümmert sich auch hier die Oma mit der extrem bescheidenen Unterstützung von 140 Euro im Monat (vom Staat) um die 4 Kinder, die mittlerweile Jugendliche geworden sind und sich nach einem Leben sehnen, das für so viele andere Kinder in diesem Alter ganz normal ist.  Genau das macht der liebevollen Großmutter zu schaffen, die Wünsche der Enkel, die sie nie erfüllen kann, neben der vielen Arbeit, die gerade jetzt im Herbst auf ihr lastet.

Am nächsten Tag kommt Nicole vom Lokalfernsehen zum Frühstück, um unsere heutigen Familienbesuche zu dokumentieren und somit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

nicoara_2015Als wir das, dank future4children -Finanzierung, vollständig renovierte Haus der Nicoaras sehen, ist die Freude groß: Für jeweils 2 Personen ein ordentlicher Schlafraum, ein gemeinsames Bad, eine Küche und ein neues Dach und Vordach lassen das Haus endlich gut bewohnbar erscheinen.  Bei unserem letzten Besuch mussten 3 Personen in einem Raum schlafen, der gleichzeitig Küche und durch den schlechten Ofen vollkommen schwarz verrußt war. Von den 5 Kindern, die mit der Mutter in dem Haus wohnen, gehen die mittlerweile 2 Erwachsenen arbeiten, die anderen geben ihr Bestes in der Schule. Die jeweils in der Schule erfolgreichsten werden von future4children in der Weiterbildung gefördert, um realistische Chancen zu bekommen, aus der Sackgasse der Armut aussteigen zu können.

marian_2015Bei den Marians, wo wir uns im Anschluss über die aktuelle Lage informieren, scheinen die Schicksalsschläge nicht abzureißen. Nach dem Tod von Vater und Stiefvater der 3 minderjährigen Kinder hat nun die mittlere Tochter Ana-Maria, die bis vor kurzem begeisterte Sportlerin war, offensichtlich eine neurologische Erkrankung. Sie ist in der Schule kollabiert, wurde dann 2 Wochen im Krankenhaus durchuntersucht und muss jetzt Medikamente nehmen. Genaueres ist zum Zeitpunkt unseres Besuches noch nicht bekannt.  Umso mehr freut es uns, bei der Übergabe der Obst/Süssi-Säckchen sowie von warmem Essen und Kuchen wenigstens ein kleines Lächeln zu erhaschen.  Die Mutter der Kinder hält zur Versorgung des Eigenbedarfs ihrer Familie eine Muttersau mit Ferkeln sowie ein paar Hühner für Eier und zum Schlachten.

saraoiu_2015Wir nehmen wie bei den anderen auch die Weihnachtswünsche entgegen und fahren weiter zu Familie Sararoiu. Die Kinder gehen täglich eine Stunde zur Hauptstraße, um mit dem Bus zur Schule zu kommen. Wir treffen uns auf halber Strecke mit der Mutter und den 2 Töchtern Valentina-Larissa und Alexandra. Letztere ist extrem schüchtern, wagt kaum, uns anzusehen, die große Schwester spricht stellvertretend für sie.  Durch die abgelegene Lage des Hauses kommen die Kinder erst bei Kindergarteneintritt in Kontakt mit der Außenwelt, was jetzt gerade Alexandra große Probleme bereitet.  Die Mutter hat Arbeit in einer Fabrik gefunden, was bedeutet, dass sie an den Arbeitstagen oft erst um Mitternacht nach einer Stunde Fußmarsch in der Finsternis zu Hause ankommt. Trotzdem ist sie glücklich, wenigstens diese Stelle zu haben. Wir erfahren, dass der Familienvater viel in der Nachbarschaft hilft und so das Einkommen aufbessern kann. Er wünscht sich zu Weihnachten für die Familie eine robuste Kettensäge, damit er noch mehr in diesem Bereich tätig sein kann.

Gegen Mittag verabschieden wir uns von Nora und Ilia und treten demütig unsere Heimreise an.

Bericht von Daniela Grulich.